{"id":100,"date":"2007-07-16T09:00:23","date_gmt":"2007-07-16T08:00:23","guid":{"rendered":"http:\/\/badindicator.de\/blog\/?p=100"},"modified":"2007-08-04T19:46:04","modified_gmt":"2007-08-04T18:46:04","slug":"single-shot-ein-marchen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/badindicator.de\/blog\/2007\/07\/16\/single-shot-ein-marchen\/","title":{"rendered":"Ein M\u00e4rchen"},"content":{"rendered":"<p><span id=\"container_11814453\"><span id=\"master_body_11814453\">In einer dunklen Nacht, die der heutigen nicht ganz un\u00e4hnlich war, da spielte ein trockener Sturmwind \u00fcber einem kleinen St\u00e4dtchen. Es war schon sp\u00e4t, die meisten Wesen hatten sich schon zur Ruhe gebettet. Niemand sah mehr zu, ohne Zuschauer war es nicht mehr so halb so spannend, und so war es nur eine laue, manchmal auffrischende Brise, die \u00fcber die Stra\u00dfen h\u00fcpfte und in Gassen Verstecken spielte, in den Fenstern der H\u00e4user leise Lieder spielte. Am Himmel \u00fcber der Stadt hing nur eine einzige, gro\u00dfe Wolke, ganz schwarz und hoch. Auch sie schlief schon, so wie alles in ihr ebenso, und so h\u00f6rte man lange Zeit nichts au\u00dfer dem Wind, der seine Spiele spielte.<br \/>\nDoch dann, es muss fast schon gegen Morgen gewesen sein, fiel ein kleiner Tropfen aus der kalten Wolke; nun, das an sich ist nicht weiter ungew\u00f6hnlich, das ist es nun mal, was Tropfen tun, nicht wahr? Sie fielen vom Himmel, sickerten in den Boden, nahmen einen weiten Weg, und irgendwann l\u00f6ste sie die Sonne wieder und brachte sie zur\u00fcck in die H\u00f6he, die so sehr liebten. Dann begann der Kreislauf wieder von vorne. Auch dieser Tropfen hatte sicher schon Tausende Male solch einen seltsamen Kreis durchlaufen, und keineswegs unzufrieden mit seiner Rolle in der Welt. Aber diesmal war etwas anders, denn nur einziger fiel aus dieser Wolke, nur dieser eine Tropfen, ganz alleine.<br \/>\nWie die meisten Kreaturen, die unsanft aus dem Schlaf gerissen wurden, war auch dieser Tropfen nicht minder entsetzt, als er pl\u00f6tzlich kopf\u00fcber in die pechschwarze Nacht st\u00fcrzte. Er fiel einige hundert Meter tief, bis er der Situation wirklich gewahr wurde, und weitere hundert, bis er endlich einen entsetzten Schrei ausstie\u00df; Regentropfen pflegten in gro\u00dfen Zahlen zu reisen, und beinahe nie machten sie sich alleine auf den Weg, schon gar nicht so unfreiwillig. Der Schrei dauerte an, fast eintausend Meter lang, und noch bevor sein Veruracher sich der eigenen Lautst\u00e4rke bewusst wurde, hatte der Wind in dem kleinen St\u00e4dtchen ihn schon geh\u00f6rt und zischte voller Neugier heran. Einige B\u00f6enfinger stoppten den Wassertropfen schlie\u00dflich vorsichtig, warfen ihn spielerisch wieder einige Meter in die H\u00f6he und versetzten ihn dabei derartig in Drehung, dass ihm schwindelig wurde und er laut aufquiekte, halb aus Angst, halb aus der Erleichterung heraus, nicht mehr allein zu sein.<br \/>\n&#8222;Was ist denn los? Was machst du denn so einen Krach?&#8220;, fragte der Wind behutsam, sah die Panik des kleinen Tropfens und lie\u00df ihn ganz vorsichtig schweben, um ihn nicht noch mehr zu erschrecken. &#8222;Ich bin ganz alleine&#8220;, antwortete der leise, &#8222;ich bin noch nie alleine gereist&#8220;, f\u00fcgte er sch\u00fcchtern an. &#8222;Aber, aber&#8220;, beruhigte ihn der Wind, strich mit dem kleinen Finger \u00fcber seinen kugelrunden Kopf, &#8222;hab keine Angst, du bist nicht allein.&#8220; Der Tropfen fasste wieder etwas Mut und bem\u00fchte sich, seine Gestalt wieder etwas zu straffen. &#8222;Wer bist du?&#8220;, fragte er etwas lauter. &#8222;Ich? Ich bin nur der Wind.&#8220;, sagte der Wind freundlich, &#8222;Es wundert mich nicht, dass du meinen Namen nicht kennst; ihr achtet selten auf mich, wenn ihr in euren gro\u00dfen Schw\u00e4rmen reist.&#8220;<br \/>\nDarauf wusste der Tropfen nichts zu sagen, au\u00dfer, dass das stimmen mochte. &#8222;Wollen wir ein Spiel spielen?&#8220;, fl\u00fcsterte der Wind schelmisch, und noch bevor der Wassertropfen antworten konnte, wurde er auch schon hoch in Luft geworfen, etwas vorsichtiger als vorhin. Zuerst hatte der einsame Tropfen wieder Angst, doch die Stimme des Windes war nicht feindselig gewesen, und so lie\u00df er es einfach geschehen; einige Meter weiter fing der Wind ihn wieder auf, um ihn wieder hochzuschleudern, und nach einer Weile genoss er das Spiel und lachte vergn\u00fcgt mit den kleinen B\u00f6en um ihn herum.<br \/>\nAuf diese Weise legten sie eine weite Strecke \u00fcber dem Ort zur\u00fcck, mal in geringer, mal in gro\u00dfer H\u00f6he, und der Tropfen staunte, was er alles auf dem Boden entdecken konnte, jetzt, wo er so langsam unterwegs war. Einmal strichen sie \u00fcber eine Stra\u00dfe hinweg, und der Tropfen betrachtete zum ersten Mal einige H\u00e4user genauer, die er sonst immer nur im Sturzflug gesehen hatte. Ein anderes Mal wanden sie sich um die \u00c4ste einer alten, kahlen Esche, und er staunte, wie sch\u00f6n B\u00e4ume waren, wenn man einmal genauer hinsah.<br \/>\nSchlie\u00dflich erreichten sie einen H\u00fcgel in der N\u00e4he, und der Wind lie\u00df von seinem Spiel ab, stieg weit in den Himmel.<br \/>\n&#8222;Das war sch\u00f6n!&#8220;, rief der Regentropfen, ganz au\u00dfer Atem. &#8222;Ja, das war es, mein Freund&#8220;, gab der Wind zur\u00fcck und blickte dabei zum Horizont, wo sich der Morgen langsam ank\u00fcndigte, &#8222;Aber ich muss jetzt gehen, siehst du den fernen Schatten dort?&#8220;, er zeigt in eine Richtung, &#8222;Dort muss ich sein, bevor der Morgen hier ist.&#8220;. Da sackte der Tropfen wieder in sich zusammen, und w\u00e4re er nicht aus Wasser gewesen, er h\u00e4tte geweint. &#8222;Aber dann bin ich wieder ganz alleine&#8230;&#8220;, brachte er fl\u00fcsternd heraus. Der Wind strich noch einmal \u00fcber seinen Kopf, &#8222;Du bist nicht allein, mein neuer Freund. Ich bin der Wind; wo immer du auch bist, ich war schon da und bin es immer.&#8220;, er l\u00e4chelte leise,&#8220;Wenn du\u00a0mich kennst, dann bist du nirgendwo einsam.&#8220;, dann war er mit einem Heulen fort.<\/span><\/span><\/p>\n<p><em>Der obige Text ist schon etwas \u00e4lter, entgegen meiner urspr\u00fcnglichen Absicht ver\u00f6ffentliche ich ihn jetzt doch. Ich hoffe, er ist nicht allzu kitschig. <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einer dunklen Nacht, die der heutigen nicht ganz un\u00e4hnlich war, da spielte ein trockener Sturmwind \u00fcber einem kleinen St\u00e4dtchen. Es war schon sp\u00e4t, die meisten Wesen hatten sich schon zur Ruhe gebettet. 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