{"id":102,"date":"2007-07-24T01:43:12","date_gmt":"2007-07-24T00:43:12","guid":{"rendered":"http:\/\/badindicator.de\/blog\/?p=102"},"modified":"2007-09-13T17:45:31","modified_gmt":"2007-09-13T15:45:31","slug":"single-shot-marsch","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/badindicator.de\/blog\/2007\/07\/24\/single-shot-marsch\/","title":{"rendered":"Marsch"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-style: italic\">Schwer sind unsere Stiefel,<\/span><br style=\"font-style: italic\" \/><span style=\"font-style: italic\">Schwer ist unser Schritt<\/span><\/p>\n<p>Augenpaare, viele an der Zahl, alle mit Blei gef\u00fcllt, bis zum Rande, ein seltsam leerer Blick, an dessen Grund sich ein gefangenes Tier versteckt, getrieben, verzweifelt, allein.<br \/>\n<br style=\"font-style: italic\" \/><span style=\"font-style: italic\">Der Herr hat uns gesandt,<\/span><br style=\"font-style: italic\" \/><span style=\"font-style: italic\">Zu suchen<br \/>\n<\/span><br \/>\nKeine Sonne, kein Himmel, kein Horizont, nur die ewige Stille einer toten Welt, die weder Hoffnung noch Furcht kennt. Nur der Marsch, der endlose Marsch voran, die stille Frage nach dem Wohin.<\/p>\n<p><span style=\"font-style: italic\">Nach der schwarzen Bl\u00fcte,<\/span><br style=\"font-style: italic\" \/><span style=\"font-style: italic\">die kein Licht uns l\u00e4sst<\/span><\/p>\n<p>R\u00fcstungen aus Bitterkeit tragen sie, schwarz vom Hass, grau vom Staub der Zeiten. Auch Lanzen, Schwerter, Schilde, immer noch fest in die starren H\u00e4nde gepresst, obwohl sie nur noch Schatten ihrer eigentlichen Aufgabe sind, zerschlissen, verrottet. Keiner geht ihnen voran, niemand f\u00fchrt sie an.<\/p>\n<p><span style=\"font-style: italic\">Voran, voran, voran,<\/span><br style=\"font-style: italic\" \/><span style=\"font-style: italic\">ohn&#8216; Umkehr, voran.<\/span><\/p>\n<p>Ihre Abdr\u00fccke im staubigen Grund verblassen schnell, doch sie drehen sie nicht um. Sie waren schon an jedem Ort, in dieser und in vielen anderen Welten, doch ihr Ziel bleibt immer weit vor ihnen. Manchmal glauben sie es zu erkennen, in der Ferne, aber auch das bleibt ein Trugbild, eine T\u00e4uschung. Und so haben sie seit Jahrhunderten nicht mehr gedacht, gesprochen, gerastet, sie haben es verlernt.<br \/>\n<br style=\"font-style: italic\" \/><span style=\"font-style: italic\">Schwer sind unsere Speere,<\/span><br style=\"font-style: italic\" \/><span style=\"font-style: italic\">Schwer ist unser Schritt<\/span><\/p>\n<p>Und noch l\u00e4nger sind sie schon auf ihrer Reise, haben auf ihrem Weg voran alles, alles zu Asche werden lassen, am Anfang vielleicht mit ihren Schwertern, viellleicht sogar unwillig. Mit der Zeit wurden ihre Zweifel taub und blind, ihr Gewissen verging mit ihren Seelen, und nun stirbt alles um sie herum nur durch ihren Anblick. Selbst ihre Heimat haben sie zerst\u00f6rt, zerst\u00f6rt und dann vergessen, vielleicht war es auch umgekehrt. An ihnen klebt kein Blut mehr; auch das haben sie sich genommen und verbrannt.<\/p>\n<p><span style=\"font-style: italic\">Lang vergangen ist der Herr,<\/span><br style=\"font-style: italic\" \/><span style=\"font-style: italic\">Lang vergangen ist sein Reich<\/span><\/p>\n<p>G\u00e4be es noch Betrachter dieses seltsamen Marsches, sie w\u00fcrden nichts h\u00f6ren au\u00dfer den schweren Stiefel im Sand und dem Knirschen der alten Harnische, dem Klirren des alten Stahls. Und dem Lied, dass sie stets auf den narbigen Lippen tragen. Es ist kaum mehr als ein Fl\u00fcstern, es hat jede Betonung verloren, jede Leidenschaft eingeb\u00fc\u00dft. Nur die Worte selbst sind noch \u00fcbrig, und so sprechen sie die Silben wie ein entleertes Gebet oder wie eine ziellose Meditation, mit trockenen, hohlen Stimmen, die schon lange wie eine einzige klingen.<\/p>\n<p><span style=\"font-style: italic\">Wir suchen noch die Bl\u00fcte,<\/span><br style=\"font-style: italic\" \/><span style=\"font-style: italic\">die kein Licht uns l\u00e4sst<\/span><\/p>\n<p>Von Zeit zu Zeit f\u00e4llt einer von von ihnen hin. F\u00fcr einige Minuten gibt einer der M\u00e4nner auf, vergisst zu Atmen. Und dann steht er wieder auf, singt das alte Lied, als h\u00e4tte er sich an etwas Wichtiges erinnert; Marschiert voran, voran. Als es noch Legenden gab, da sagte man von den M\u00e4nner, sie seien verflucht; aber das stimmt nicht. Niemand hat sie verdammt. Kein Gott will sie strafen; auch ihre G\u00f6tter haben sie umgebracht, einen nach dem anderen, und selbst das ist schon lange vergessen.<br \/>\n<br style=\"font-style: italic\" \/><span style=\"font-style: italic\">Voran, voran, voran,<\/span><br style=\"font-style: italic\" \/><span style=\"font-style: italic\"> ohn&#8216; Umkehr, voran<\/span><\/p>\n<p>Manche sagten auch, niemand h\u00e4tte ihnen ihre seltsame Aufgabe aufgetragen, sie seien selbst ihre eigenen Herren gewesen, schon immer. Manche behaupteten, es sei das Blei in ihren Augen gewesen, das sie auf diesen Feldzug gesandt hatte. Vielleicht ist auch das wahr, aber das macht keinen Unterschied; es gibt ohnehin nur noch sie und den Sand unter ihren F\u00fc\u00dfen. Geschichten sind verblasst, allesamt. Auch der Sand will keine neuen erz\u00e4hlen, keine alten behalten, und deshalb verschluckt er die Schritte der M\u00e4nner. Geblieben ist nur die Legion &#8211; und ihr altes Lied.<\/p>\n<p><span style=\"font-style: italic\">Voran, voran, voran,<\/span><br style=\"font-style: italic\" \/> <span style=\"font-style: italic\"> ohn&#8216; Umkehr, voran<br \/>\n<\/span><br \/>\n<span style=\"font-style: italic\">Zur schwarzen Bl\u00fcte, <\/span><br style=\"font-style: italic\" \/><span style=\"font-style: italic\">wir tragen sie schon lang.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schwer sind unsere Stiefel,Schwer ist unser Schritt Augenpaare, viele an der Zahl, alle mit Blei gef\u00fcllt, bis zum Rande, ein seltsam leerer Blick, an dessen Grund sich ein gefangenes Tier versteckt, getrieben, verzweifelt, allein. 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