{"id":13,"date":"2005-03-22T01:11:57","date_gmt":"2005-03-22T00:11:57","guid":{"rendered":"http:\/\/badindicator.de\/blog\/?p=13"},"modified":"2006-12-11T01:19:42","modified_gmt":"2006-12-11T00:19:42","slug":"die-psyche-des-raumes","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/badindicator.de\/blog\/2005\/03\/22\/die-psyche-des-raumes\/","title":{"rendered":"Die Psyche des Raumes (4)"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-style: italic\">Vladimir Sowmeschenjik, Verlorene Wahrheit, Kapitel 2, Seite 44<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-style: italic\">\u00dcber die Psyche und den Raum<\/span><\/p>\n<p>[&#8230;]Und so erging es auch dem Raum, die physikalische Revolution des 19. Jahrhunderts walzte ihn schier eben so platt wie zuvor schon die Zeit. Das mechanistische Weltbild, eine Meisterleistung der Differenzierung, der Zerlegung und Trennung des Ganzheitlichen, eben der kalten Analyse des G\u00f6ttlichen, erkl\u00e4rte selbst den Raum zu einem Gefangenen der Physik, eingesperrt in Naturgesetzen, zu ewiger, fast schon christlich anmutender Dreifaltigkeit in Ziffern, in x, y und z verdammt. Der Raum sei gleichf\u00f6rmig flach, breite sich in alle Richtungen gleicherma\u00dfen aus, sei lediglich der Tr\u00e4ger, die B\u00fchne, das Medium, auf dem der Welten&#8216; Dinge sich bewegten.<br \/>\nNun, schnell war der Zauber dieser unheiligen Fraktalisierung des Ganzen verflogen, und selbst der Physiker musste sich eingestehen, dass das G\u00f6ttliche nicht <span style=\"font-style: italic\">zwischen <\/span>den Dingen zu suchen war, dass es viel komplizierter war als jene Formeln .<br \/>\nUnd mit dem Glauben an das universelle Chronometer oder dem chronometrischen Universum schwand auch die maskenhafte Starre des Raumes und der Zeit &#8211; so zumindest in der Physik Einsteins.<br \/>\nDoch aus einem Grund, den wir nicht genau benennen k\u00f6nnen, h\u00e4lt sich auch immer noch die \u00dcberzeugung, der Raum sei eben so flach, wie es das alte mechanistische Weltbild diktierte.<br \/>\nDabei ist es doch so augenscheinlich, dass der Raum sich st\u00e4ndig st\u00fclpt, sich ver\u00e4ndert, nicht in einem physikalischen, sondern in einem psychologisch-spirituellen Sinne.<br \/>\nBetrachten wir so zum Beispiel die Fahrt in einem Auto auf einer schnellen Stra\u00dfe, sagen wir, auf einem amerikanischen Highway. Wir steigen ein und fahren los, und augenblicklich scheint sich die Welt selbst, besser der Raum selbst, um uns zu kr\u00fcmmen. Denn was nun au\u00dfen ist, verschwimmt unter dem Eindruck der Geschwindigkeit, mit der wir uns bewegen, und demnach wird sich der Effekt verst\u00e4rken, je schneller wir fahren. Und wer erinnert sich nicht an Momente des Schocks oder des Erstaunens, in denen pl\u00f6tzlich ein im Vergleich zum gigantischen Universum winziges Ereignis aufgebl\u00e4ht wird, so dass es uns zu umschlie\u00dfen scheint, und genau das scheint mir auch die Wahrheit zu sein.<br \/>\nWie ich schon einmal schrieb, sehe ich mich selbst nicht als Propheten oder als Philosophen, sondern als einen <span style=\"font-style: italic\">Naturwissenschaftler der Subjektivit\u00e4t<\/span>.<br \/>\nPsychologen m\u00f6gen sagen, es sei nicht der Raum, der sich um das Subjekt kr\u00fcmme, sondern viel mehr das Subjekt, dass seine Wahrnehmung kr\u00fcmme.<br \/>\nDoch das ist nicht die ganze Wahrheit &#8211; geht die moderne Wissenschaft doch immer noch zu gro\u00dfen Teilen von der Existenz eines objektiven Beobachters aus, absurd angesichts der Offensichtlichkeit von so unm\u00f6glich objektivierbaren Geschehnissen. Denn wer will von sich sagen, er sehe &#8222;den&#8220; Raum jetzt gerade flach, er habe den objektiven \u00dcberblick \u00fcber das Geschehen, die objektive Sicht des Raumes? Es scheint offensichtlich, dass nur das G\u00f6ttliche selbst, das Universum selbst dazu im Stande ist, warum also bei dem alten Modell bleiben?<br \/>\nWerfen wir es \u00fcber Bord, wenden wir uns dem Realen zu, wenden wir uns dem gekr\u00fcmmten Raum zu. Besehen wir uns da zum Beispiel ein Subjekt, dass in einen Zug steigt, in eine abgedunkelte Kabine und dort die Fahrt \u00fcber verweilt.<br \/>\nAm Ende der Reise wird das Subjekt sich f\u00fchlen, als sei <span style=\"font-style: italic\">es nicht gereist<\/span>, verst\u00e4ndlich angesichts der Tatsache, dass f\u00fcr das Subjekt der Raum zwischen Start- und Zielbahnhof ja gar nicht existent ist, da er auch nicht wahrgenommen wurde. Aus der Perspektive der Subjektivit\u00e4t, in der ich mich in diesem Buch \u00fcben m\u00f6chte, scheint es, als ob der Raum um den Zug sich ver\u00e4ndert h\u00e4tte, zu etwas wurde, was man in der Physik vielleicht ein Wurmloch nennen w\u00fcrde, auch wenn dies ein psychologisches Ph\u00e4nomen ist, kein physikalisches.[&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vladimir Sowmeschenjik, Verlorene Wahrheit, Kapitel 2, Seite 44 \u00dcber die Psyche und den Raum [&#8230;]Und so erging es auch dem Raum, die physikalische Revolution des 19. Jahrhunderts walzte ihn schier eben so platt wie zuvor schon die Zeit. 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