{"id":229,"date":"2009-01-05T12:50:02","date_gmt":"2009-01-05T11:50:02","guid":{"rendered":"http:\/\/badindicator.de\/blog\/?p=229"},"modified":"2009-03-07T18:30:10","modified_gmt":"2009-03-07T17:30:10","slug":"die-schwarze-stadt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/badindicator.de\/blog\/2009\/01\/05\/die-schwarze-stadt\/","title":{"rendered":"Die schwarze Stadt"},"content":{"rendered":"<p>Es muss in der Bar gewesen sein; ja, in der Bar war es. Ich sa\u00df auf einem Schemel und lie\u00df die Eisw\u00fcrfel in meinem Glas leise klimpern, als ich zum ersten Mal davon h\u00f6rte. Mein Spanisch ist schlecht, um nicht zu sagen grausig, aber ich hatte schon eine Weile versucht dem Gespr\u00e4ch zweier \u00e4lterer M\u00e4nner zu folgen, und so verstand ich zumindest die Worte ciuadad und negra. Etwas an dem Ausdruck war mir seltsam vertraut, ich war nicht \u00fcberrascht, ihn zu h\u00f6ren, ich wei\u00df nicht, warum. Vielleicht, so denke ich jetzt, hatte ich ihn viel fr\u00fcher schon einmal geh\u00f6rt, wer wei\u00df. Zu diesem Zeitpunkt schenkte ich dem Detail kaum Aufmerksamkeit; es irritierte mich ein wenig, aber nicht mehr als die winzigen Zuf\u00e4lle, die uns t\u00e4glich begegnen; ich h\u00f6rte einfach weiter interessiert zu.<br \/>\nJe l\u00e4nger ich lauschte, desto mehr Worte verstand ich. Die beiden sprachen schnell, und offenbar hatten sie getrunken, aber nach einer Weile schnappte ich immer mehr Worte auf, zun\u00e4chst nur einfache; avenida, calle, casa und immer wieder la ciudad negra. Schlie\u00dflich war ich \u00fcberrascht, dass ich sogar ganze S\u00e4tze verstand. Wie gesagt, ich spreche kaum Spanisch und verstehe wenig mehr. Dennoch wurden aus den Silben Worte, aus den Worten S\u00e4tze, schlie\u00dflich war es fast so, als w\u00fcrden die beiden Englisch miteinander sprechen, und ich folgte ihrem Gespr\u00e4ch m\u00fchelos.<\/p>\n<p><a class=\"tt-flickr tt-flickr-Medium\" href=\"http:\/\/badindicator.de\/blog\/album\/photo\/2951337743\/la-ciudad-negra.html\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/farm4.static.flickr.com\/3044\/2951337743_d01eec687d.jpg\" border=\"0\" alt=\"La ciudad negra\" width=\"500\" height=\"333\" \/><\/a><\/p>\n<p>Schnell begriff ich, dass die beiden scheinbar nur \u00fcber Architektur oder etwas \u00c4hnliches redeten. Sie sprachen nur von Geb\u00e4uden, Stra\u00dfenecken, schienen sich die Lage von H\u00e4usern oder Pl\u00e4tzen zu erkl\u00e4ren; einmal ging es um eine Kirche und den nicht endenden Pfad, der sich um ihre T\u00fcrme zog. Ein anderes Mal sprachen sie \u00fcber die Kurven einer breiten Stra\u00dfe am Meer, deren Windungen immer wieder in die selbe Richtung wiesen. Es dauerte einige Minuten, bis ich ganz begriff; ich sah die kleinen, fast unsichtbaren Handbewegungen der Alten auf dem Tisch, erkannte die Linien, die sie damit zeichneten. Offenbar erkl\u00e4rten sie sich gegenseitig ein Stra\u00dfennetz; Ich wei\u00df nicht, warum sie es taten, aber sie taten es unentwegt, mit stakkatohaften, montonen Stimmen.<br \/>\nIch muss dort lange gesessen haben, w\u00e4hrend ich nur zuh\u00f6rte; das Gespr\u00e4ch war mir unheimlich, aber ich konnte mich nicht abwenden oder aufstehen. Es war nicht allein die Tatsache, dass ich pl\u00f6tzlich das Spanisch alter Einheimischer verstand, die mich fr\u00f6steln lie\u00df. Es war die Art, wie sie von den Stra\u00dfen dieser fremden Stadt sprachen. Sie machten keine Pausen; sie redeten und redeten, ohne auch nur aufzublicken, wenn jemand hereinkam. Dabei war ihr Blick immer fern, so, als ob es sie nicht willentlich davon sprechen w\u00fcrden, als ob sie jemand oder etwas dazu zwingen w\u00fcrde. Meine Anspannung wuchs, ohne dass ich der Situation h\u00e4tte entgehen k\u00f6nnen: Ich erwischte mich selbst dabei, wie ich mit meinen Fingern\u00e4geln Stra\u00dfen und Kan\u00e4le in meine Serviette ritzte, ganz in der Anordnung, wie sie die Alten beschrieben. Vielleicht waren es zwei Stunden, die ich dort sa\u00df; vielleicht war es auch weniger Zeit, vielleicht mehr.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich sprang ich von meinem Tisch auf: Es war mir augenblicklich peinlich, so zu reagieren, aber ich konnte nicht anders, denke ich. Alle im Raum verharrten einen Moment in der Bewegung und starrten mich an, sogar die Alten. Ich versuchte wohl zu l\u00e4cheln und ging langsam zur Theke, ich wollte nur noch raus aus der Bar, raus an die frische Luft. Als ich zahlte sah ich, dass die beiden M\u00e4nner mich immer noch anschauten: Unwillk\u00fcrlich nickte ich ihnen zu, sie nickten zur\u00fcck und starrten. Ich nahm mein Wechselgeld und sah noch einmal zu den Alten her\u00fcber; ein Wort las ich auf ihren Lippen, sie raunten es sich offenbar zu: <em>ciuadadono<\/em>, B\u00fcrger. Ich wand mich zur T\u00fcr und sp\u00fcrte immer noch ihre Blicke. F\u00fcr einen Moment lang wollte ich losrennen, die Bar und diese gr\u00e4sslichen M\u00e4nner endlich hinter mir lassen; aber dann besann ich mich und hielt direkt auf die beiden zu. Etwas verbl\u00fcfft bemerkte ich, wieviel M\u00fche es mir bereitete, die Frage in verst\u00e4ndlichem Spanisch zu stellen: <em>Qu\u00e9 estad la ciudad negra?<br \/>\n<\/em>Ich glaube, meine Aussprache war so schlecht, dass sie einen Augenblick brauchten, um mich zu verstehen, denn f\u00fcr eine oder zwei Sekunden sahen sie mich nur verst\u00e4ndnislos an. Dann jedoch fingen sie an zu schreien und zu fluchen.<br \/>\nIch wei\u00df nicht, was sie sagten und schrien; dem Klang nach waren es sicher \u00fcble Fl\u00fcche und Schimpfw\u00f6rter, aber ich verstand kein Wort von dem, was sie sagten. Ich versuchte, sie auf Englisch zu beruhigen, aber es gelang mir nicht. W\u00fctend redeten sie auf mich ein und gestikulierten mit ihren rauchschwarzen H\u00e4nden wild in der Luft. Ich konnte den Hass in ihren Augen sehen; es war eine seltsame Art von Hass, und schon damals glaubte ich, ein wenig Neid darin zu erkennen. Vielleicht h\u00e4tten sie mich geschlagen, wenn sie genug Zeit gehabt h\u00e4tten, ich wei\u00df es nicht: Der Barkeeper stand pl\u00f6tzlich zwischen uns und schob mich zur T\u00fcr raus; auf Englisch deutete er mir, schnell zu gehen. Ich h\u00f6rte ihre w\u00fctenden Schreie noch Hunderte von Metern weit.<br \/>\nDennoch, der brenzligen Situation knapp entgangen, war ich wieder etwas entspannt, fast euphorisch. Mei seltsames Erlebnis in der Bar erschien mir pl\u00f6tzlich ganz unwesentlich, und ich dachte nicht weiter dar\u00fcber nach. Daran erinnere ich mich gut; es war eine klare Nacht, und der Mond stand hell am Himmel. Ich pfiff wohl ein Lied, auch wenn ich nicht mehr genau wei\u00df, welches. Die beiden Alten begegneten mir nicht auf dem Weg zum Meer, und das beruhigte mich noch mehr. Die einzigen anderen Menschen auf den Stra\u00dfen hielten Abstand zu mir und hatten die K\u00f6pfe tief gesenkt: Damals glaubte ich, sie h\u00e4tten vielleicht Angst vor mir, immerhin bin ich recht gro\u00df geraten.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich passierte ich den Park, den ich schon am Tage mehrfach durchquert hatte. Bevor ich ihn betrat, blieb ich einen Moment lang stehen, um nach Ger\u00e4uschen nach lauschen; aber ich h\u00f6rte nichts, und so hielt ich die Passage f\u00fcr ungef\u00e4hrlich. Ich war bereits fast am anderen Ende der Anlage, als ich das Kichern und Glucksen h\u00f6rte. Im ersten Moment erschreckte es mich furchtbar, weil es zuvor so still gewesen war. Ich sah zu einer der Laternen hin\u00fcber, die den Park s\u00e4umten, und fand die Quelle der seltsamen Laute: es war eine \u00e4ltere Frau, ihr Alter war schwer zu sch\u00e4tzen, aber alt war sie in jedem Fall, mindestens 60 Jahre alt. Im fahlen Licht der Laterne konnte ich ihre an den Schultern deutlich abgemagerte Gestalt erkennen; Sie trug Fetzen von grau-wei\u00dfen T\u00fcchern und Stoffen, einige L\u00f6cher schienen mit Zeitungen geflickt worden zu sein; vor sich her schob sie einen alten Kinderwagen, der bis zum Rand mit einem schwarzen Material gef\u00fcllt zu sein schien. Heute glaube ich, dass es Kohle war; damals konnte ich es nicht einordnen, und in diesem Moment war es mir auch nicht so wichtig. Was mir damals zuerst ins Auge sprang, das war der l\u00e4ngliche, schwarze Strich, der sich durch ihr verwittertes kleines Gesicht zog: er war etwa daumendick und f\u00fchrt von der Wange bis hoch auf die Stirn.<br \/>\nDie Frau kicherte nur weiter, w\u00e4hrend ich mich ihr n\u00e4herte; erst, als ich sie passierte, sprach sie mit mir. <em>Auch du wirst bald die schwarze Stadt kennen, Markus.<br \/>\n<\/em>sagte sie in etwas stockendem Deutsch, und ich blieb schlagartig stehen. Sie sagte es nicht noch einmal, kicherte nur wieder und humpelte langsam mit dem quietschenden Wagen voran. Ich war mir sicher, dass ich mich nicht verh\u00f6rt hatte, aber ich wagte nicht, sie danach zu fragen. In meiner Erinnerung blieb ich dort einige Sekunden stehen. Ich h\u00f6rte nur meinen unruhigen Atem, das Kichern der Alten und das Quietschen der kleinen R\u00e4der. Schlie\u00dflich ging ich weiter, ohne mich noch einmal umzudrehen: ich bem\u00fchte mich, nicht zu laufen, aber ich ging so schnell ich konnte. Ich wei\u00df nicht mehr, wie lange ich unterwegs war; es waren nur einige Hundert Meter zu den Hotels, aber in meiner Erinnerung ist es viel ausgedehnter, ohne dass ich sagen k\u00f6nnte, was daran gr\u00f6\u00dfer oder l\u00e4nger war. Aber ich wei\u00df, dass ich irgendwann wieder an der Kreuzung kurz vor dem Strand stand und bemerkte, wie sich mein Atem wieder beruhigte.<br \/>\nHier war alles ruhig; die riesigen Hotelburgen lagen da und schlummerten ebenso wie die meisten ihrer Bewohner. Nur hinter wenigen Fenstern brannte noch schwaches Licht, ansonsten gab es nur die gelbliche Stra\u00dfenbeleuchtung und das Flackern der Orientierungslampen auf den D\u00e4chern. Ich musste an die beiden M\u00e4nner in der Bar denken, glaube ich; ich lachte ein wenig \u00fcber mich selbst und \u00fcber die alte Frau im Park. Es waren sicher Zuf\u00e4lle gewesen, seltsame Zuf\u00e4lle, das dachte ich. Dann drehte ich mich um und sah die Ruine.<br \/>\nSie war mir bei meinen fr\u00fcheren Spazierg\u00e4ngen nie aufgefallen, und deshalb starrte ich \u00fcberrascht auf die halbfertigen Stockwerke, die vor mir in den Himmel ragten. Etwas war seltsam an diesem Ding, das wusste ich sofort; es waren die Winkel oder vielleicht auch die Proportionen, sie schienen nicht so recht zu passen. Die Au\u00dfenw\u00e4nde und die B\u00f6den der Etagen wirkten verzogen, als h\u00e4tte man sie nicht wirklich f\u00fcr den Gebrauch gebaut, sondern nur um einen Effekt zu erzielen. Aber am erstaunlichsten waren die schwarzen L\u00f6cher in der Fassade, in denen wohl eigentlich Fenster stecken sollten. Sie waren krumm und ellipsenf\u00f6rmig; f\u00fcr einen Moment lange erkannte ich darin die Pervertierung menschlicher Augen, aber dazu fehlten die Pupillen oder irgendetwas anderes, das den Blick h\u00e4tte fangen k\u00f6nnen. Ich muss eine Weile in die Fenster\u00f6ffnungen gestarrt haben, aber da war nichts, nichts als Dunkelheit.<br \/>\nAls ich mich umdrehte, war das Licht der Stra\u00dfenlaternen verschwunden. Ich wei\u00df nicht, wann sie ausgeschaltet wurden; ich wei\u00df nicht einmal, ob sie wirklich ausgeschaltet waren. Es war stockdunkel; das Licht hinter den Fenstern der Hotelburgen, die roten Blinklichter auf den D\u00e4cher, verschwunden. Selbst den Mond konnte ich nicht mehr sehen. Ich lief auf die andere Stra\u00dfenseite, zu dem Hotel, das ich dort eben noch hell gesehen hatte. Aber als ich in der Dunkelheit etwas erkennen konnte, da sah ich nur wieder eine Ruine, eine Ruine mit verzogenen W\u00e4nden und L\u00f6chern, wo Fenster sein sollten.<br \/>\nDie Panik erfasste mich ganz: ich lief los, ohne zu wissen wohin, immer weiter die Stra\u00dfe entlang. Nach links und rechts sah ich aus den Augenwinkeln immer nur die gitterf\u00f6rmigen Betonfassaden mit den g\u00e4hnenden schwarzen L\u00f6chern darin, kein bewohntes Haus, nichts, nur die Ruinen. Zweimal stolperte ich, einmal schlug ich mir den Arm auf, aber ich lief weiter. Ich muss eine ganze Weile gerannt sein, denn obwohl sich an dem, was ich um mich herum zu meinem Entsetzen sah, nichts \u00e4nderte, schwand meine Panik allm\u00e4hlich. Schlie\u00dflich lief ich langsamer, bis ich wieder ging. Ich konnte keinen klaren Gedanken fassen, aber immerhin war ich wieder so ruhig, dass ich mich umschauen konnte; die Ruinen schienen mir nicht alle gleich zu sein, das fiel mir auf. Die, die ich zuerst gesehen hatte, war wirklich wie ein Hotel-Rohbau gewesen. Es gab aber auch Ruinen, die alten Geb\u00e4uden \u00e4hnelten; ich erkannte eine Kirche, eine Schule. Dann sah ich auch einen Supermarkt, zumindest hielt ich es f\u00fcr einen. Die Stra\u00dfe, der ich gefolgt war (ich glaube, ich bin nirgendwo abgebogen), war kurvig, und ein Instinkt weckte in mir den Verdacht, dass sie an irgendeinem Punkt wieder im Kreis f\u00fchren musste; aber das ist nur ein Gef\u00fchl, und das muss nicht stimmen. Ich wusste nicht, wo ich war; ich war in einer verlassenen Stadt, oder so etwas \u00e4hnlichem, aber ich wusste nicht, wie ich von dort wegkommen sollte &#8211; oder wie ich dort hingekommen war.<\/p>\n<p>Als ich den ersten Menschen sah, der mir auf der Stra\u00dfe entgegenkam, war ich froh. Fast w\u00e4re ich auf ihn zugelaufen, aber ich wollte ihm keine Angst machen und wartete deshalb geduldig, um ihn nach dem Weg zu fragen. Erst als ich ganz nah bei ihm war, sah ich den Strich. Die Angst legte sich wieder um meine Beine. Irgendein Laut entwich mir, ein Seufzen vielleicht oder ein \u00fcberraschtes Pfeifen, dann war ich stumm. Das Wesen sah kurz zu mir auf; ich konnte keine Regung erkennen, nicht einmal ein Erkennen oder ein Fokussieren. Die Augen waren seltsam leer, auf eine vertraute Weise, und erst jetzt konnte ich auch h\u00f6ren, dass das Wesen unentwegt sprach. Ich verstand seine Worte sofort, ich wei\u00df nicht, ob es Spanisch oder Deutsch war oder irgendeine andere Sprache, ich verstand sie einfach; es sprach von der Stadt, ganz so, wie es die Alten in der Bar getan hatten. Ich blieb wie angewurzelt stehen und sah, wie noch eine Gestalt aus der Dunkelheit kam und langsam die Stra\u00dfe herunterging, dann noch eine, und noch eine, schlie\u00dflich sah ich viele, alle mit dem Strich durch das Gesicht gezeichnet. Ich sah auch die alte Frau aus dem Park; sie schob immer noch den schmutzigen Kinderwagen vor sich her, aber ihr Kichern war verstummt und vom dem sturren Gemurmel ersetzt worden, dass alle auf den Lippen hatten. Es dauerte eine Weile, bis ich begriff, dass diese Stadt nicht verlassen war; dies waren ihre Bewohner.<br \/>\nIch wei\u00df nicht, wieviele ich sah; ich wei\u00df nicht, wie lang ich dort stand. Doch als ich loslief, da sah ich den Morgen am Horizont. Ein oder zwei der Wesen muss ich umgerempelt haben, ich erinnere mich daran, ihre Gesichter ganz nah vor mir zu haben; ich erkannte, wie sehr ihre Augen auf diese Entfernung den blinden Fenster\u00f6ffnungen der Ruinen glichen.<br \/>\nIch wei\u00df nicht, wohin ich gelaufen bin: als ich morgens erwachte, lag in in einem kleinen, trockenen Graben gegen\u00fcber von meinem Hotel. Es war bereits Mittag. Den Kohlestrich auf meiner Stirn bemerkte ich erst vor dem Spiegel im Hotelzimmer. Ich reiste noch am Abend ab: der Portier sah mich nur hilflos an, als ich meine Geschichte erz\u00e4hlte. Ich wei\u00df nicht, ob er mir geglaubt hat.<br \/>\nIch habe die Tore der Schwarzen Stadt durchschritten und bin hierher zur\u00fcckgekehrt; ich wei\u00df nicht, warum sie mich gehen lie\u00df. Manchmal denke ich, dass sie mich nie ganz losgelassen hat. Wenn ich traurig bin, dann sp\u00fcre ich sie in mir, die Anwesenheit der Stra\u00dfen und Pl\u00e4tze und Orte oder besser; ihre Abwesenheit. In manchen Augenblicken sp\u00fcre ich das ganze unaussprechliche Netz der Gassen unter meiner Sch\u00e4deldecke, die endlosen Ecken und Kurven und Sackgassen, den Puls ihrer entleerten Bewohner. Ich tr\u00e4ume von ihr. Ich glaube manchmal, in ihr erwachen zu k\u00f6nnen; erwachen zu m\u00fcssen. Vielleicht habe ich die Stadt nie verlassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es muss in der Bar gewesen sein; ja, in der Bar war es. Ich sa\u00df auf einem Schemel und lie\u00df die Eisw\u00fcrfel in meinem Glas leise klimpern, als ich zum ersten Mal davon h\u00f6rte. 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