{"id":340,"date":"2010-01-14T14:20:34","date_gmt":"2010-01-14T13:20:34","guid":{"rendered":"http:\/\/badindicator.de\/blog\/?p=340"},"modified":"2010-01-17T23:42:54","modified_gmt":"2010-01-17T22:42:54","slug":"der-traum-und-die-anderen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/badindicator.de\/blog\/2010\/01\/14\/der-traum-und-die-anderen\/","title":{"rendered":"Der Traum und die Anderen"},"content":{"rendered":"<p>Es war bereits zehn nach f\u00fcnf, als er zum ersten Mal an diesem Abend &#8211; oder besser Morgen &#8211; die Zeit fand, eine kleine Pause zu machen. Das war nichts Ungew\u00f6hnliches an einem Freitag; der Laden war meist v\u00f6llig \u00fcberf\u00fcllt, und da er der einzige war, der an der hinteren Theke bediente, hatte er meist alle H\u00e4nde voll zu tun. Er schenkte aus, kassierte, nahm die n\u00e4chste Bestellung entgegen, ununterbrochen; es war anstrengend, zumal es in der N\u00e4he der Tanzfl\u00e4che so hei\u00df war, dass manchmal Kondenswasser von der Decke tropfte.<br \/>\nJetzt, um zehn nach f\u00fcnf, lichtete sich die Tanzfl\u00e4che langsam. Diejenigen, die schon den ganzen Abend bei ihm bestellt hatten, waren entweder auf dem Weg nach Hause oder hatten genug. 30 oder 40 Leute tanzten noch; er kannte einige vom Sehen. Manche schienen direkt von der Sp\u00e4tschicht hierher zu kommen, um noch einige Stunden zu tanzen, bevor sie ersch\u00f6pft ins Bett fielen. Der Laden schloss in der Regel erst um 7 oder 8; offiziell war nat\u00fcrlich um halb 6 Schluss, aber damit nahm es sein Chef nicht so genau.<br \/>\nEr z\u00fcndete sich eine Zigarette an und setzte sich auf einen Hocker, der am Rand der Theke stand. Einen Moment lang schweifte sein Blick \u00fcber die Tanzenden, versuchte sich an den Namen des Lieds zu erinnern, das gerade gespielt wurde; jemand sang von der K\u00fcrze des Lebens und davon, wie sehr uns die Zeit fehlt, den Anderen zu finden. Dann sah er das Buch.<\/p>\n<p>Es lag zwischen Wand und Theke: Wenn die W\u00e4nde nicht aus spiegelndem Glas gewesen w\u00e4ren, h\u00e4tte er es gar nicht entdecken k\u00f6nnen. Es fiel ihm auf, weil es hier sonst keine B\u00fccher gab; wer w\u00fcrde hier schon lesen wollen? Und doch lag dort, versteckt in der Ecke des h\u00f6lzernen Bartisches ein Buch. Das hei\u00dft, eigentlich war es weniger ein Buch als vielmehr eine Brosch\u00fcre, ein kleines Heft, nur mit Stahlzwecken gebunden: er griff danach und versuchte, den Titel zu lesen, &#8222;Der Traum und die Anderen: Eine Warnung&#8220; stand da, auf d\u00fcnnem Kopierpapier. Er neigte sich ein wenig, so dass die Lampe \u00fcber der Kasse das Papier etwas erhellte, und legte die Zigarette weg. Es war kein Autor angegeben; in seiner ganzen Ausf\u00fchrung wirkte das Buch auch eher so, als ob es in Heimarbeit erstellt worden w\u00e4re. Er sah zu den G\u00e4ste, vergewisserte sich, dass er noch Zeit hatte, dann schlug er um.<\/p>\n<p>&#8222;Das luzide Tr\u00e4umen ist eine seit Jahrtausenden verwandte Technik, die das bewusste Durchleben und Steuern von Tr\u00e4umen erm\u00f6glicht. Viel ist dar\u00fcber geschrieben worden, auch \u00fcber spezifische Methoden des Luziden Tr\u00e4umens. Wir werden daher nicht n\u00e4her auf die Frage eingehen, wie der luzide Traum zu erreichen ist und verweisen stattdessen auf die reichhaltige Literatur zu diesem Thema. In diesem Buch soll es daher um etwas anderes gehen: Wir wollen auf eine Gefahr des luziden Tr\u00e4umens, m\u00f6glicherweise des Tr\u00e4umens selbst hinweisen. Unsere Botschaft lautet: Wir sind nicht allein im Traum. Dies mag seltsam klingen, gleichsam sicher auch unglaubw\u00fcrdig, aber es ist die Wahrheit. Einen Beweis kann jedoch nur ein jeder f\u00fcr sich selbst erbringen, und zu diesem Zweck sind Kenntnisse \u00fcber das luzide Tr\u00e4umen n\u00f6tig, aber nichts dar\u00fcber hinaus, abgesehen von einem gro\u00dfen Spiegel (maximal 1,80 mal 0,90 Meter).&#8220;<\/p>\n<p>Er blickte auf und sah den Kunden, knickte das Heft und nahm seine gelallte Bestellung entgegen. Geistesabwesend nahm er das Geld, gab zu wenig heraus (aber das bemerkte er erst sp\u00e4ter) und zapfte ein Bier. Als der Mann gegangen war, wand er sich wieder dem seltsamen B\u00fcchlein zu; es war seit langem das interessanteste Objekt, dass er hier gefunden hatte. Nat\u00fcrlich verloren hier viele Menschen das ein oder andere, manchmal sogar Handys oder pers\u00f6nliche Kalender, aber dieses Buch erschien ihm wesentlich spannender, auch wenn er kein Wort glaubte von dem, was darin stand:<\/p>\n<p>&#8222;Es sind keine gro\u00dfen Erfahrungen mit dem luziden Traum erforderlich: Erfahrene Anwender k\u00f6nnen jede \u00c4nderung, ja den Traum selbst frei gestalten. Daf\u00fcr ist einiges Training n\u00f6tig, doch diese F\u00e4higkeiten sind hier nicht von Belang. Es reicht, wenn sie sich eine der Basismethoden des Luziden Tr\u00e4umens zu eigen machen, so etwa WILD (Wake-Initiation of Lucid Dreams). Von Vorteil ist es, wenn sie diese oder eine der anderen existierenden Methoden einige Male ausprobieren, bevor sie mit dieser Anleitung fortfahren.&#8220;<\/p>\n<p>Er bl\u00e4tterte um.<\/p>\n<p>&#8222;Nachdem sie sich mit einer Methode vertraut gemacht haben, k\u00f6nnen sie nun die Anderen treffen. Sollte sich ihr Bett in der N\u00e4he einer Wand oder an einer Wand befinden, so verr\u00fccken sie es so, dass es in der Mitte des Raumes steht. Stellen sie den Spiegel (maximal 1,80 mal 0,90 Meter) frontal vor das Fu\u00dfende ihres Bettes und merken sie sich die Zahl der Schritte, die er vom Bett entfernt ist: Es ist von \u00e4u\u00dferster Wichtigkeit, dass sie w\u00e4hrend des Einschlafvorgangs Sicht auf den Spiegel haben. Versuchen sie nun, einzuschlafen. Fixieren sie dabei immer wieder geistig den Spiegel. Machen sie sich jederzeit klar, dass der Spiegel existiert! Halten sie sich bewusst, wie viele Schritte er vom Bett entfernt ist! Gleiten sie in den Zustand des Tr\u00e4umens hin\u00fcber.&#8220;<\/p>\n<p>Es war die vorletzte Seite des Buches gewesen; die letzte war fast leer.<\/p>\n<p>&#8222;Sind sie sicher, dass sie tr\u00e4umen? Dann treten sie zur\u00fcck durch den Spiegel!&#8220;<\/p>\n<p>Die letzten G\u00e4ste gingen schneller, als er es erwartet hatte, und so war es bereits um sieben zu Hause. Das Buch hatte er mitgenommen, zum einen, weil es eine originelle &#8222;Troph\u00e4e&#8220; war, zum anderen, weil er einige Schlagw\u00f6rter daraus (wie etwa den &#8222;luziden Traum&#8220;) doch einmal heraussuchen wollte, um zu sehen, ob es wirklich rein ersponnene waren. Google und sogar die Wikipedia kannten den Luziden Traum, stellte er zu seiner \u00dcberraschung fest; er war, wie gew\u00f6hnlich zu dieser Stunde, zwar m\u00fcde, aber auch etwas \u00fcberdreht, und so \u00fcberflog er f\u00fcnf oder sechs Artikel dar\u00fcber und fand sogar die WILD-Methode, die in seinem B\u00fcchlein genannt worden war. Von den mysteri\u00f6sen Anderen aber las er nirgendwo etwas.<\/p>\n<p>Es war schon halb neun, als er seinen Computer wieder ausschaltete. Er stand auf, ging durch den Flur in die K\u00fcche, um noch einen Schluck Wasser zu trinken: Da fiel ihm der Spiegel neben der Garderobe ins Auge. Er hatte ihn geschenkt bekommen, ein Nachbar hatte ihn wohl wegwerfen wollen. In dem kleinen Flur wirkte er immer etwas deplatziert, aber er hatte sich nie dazu durchringen k\u00f6nnen, ihn wegzuwerfen. Er war riesig und ging fast bis zur Decke, die immerhin fast drei Meter hoch war: An einer Ecke hatte er einen kleinen Riss, aber sonst war er v\u00f6llig intakt.<br \/>\nAuf dem Weg ins Schlafzimmer blieb er davor stehen und sah sein eigenes Spiegelbild grinsen. Was konnte es schaden? Die Artikel \u00fcber das Luzide Tr\u00e4umen hatten ihn neugierig gemacht. Angeblich konnten trainierte Tr\u00e4umer in ihren eigenen Tr\u00e4umen fliegen und vieles mehr; er wollte es ausprobieren.<\/p>\n<p>Der Spiegel war nicht so schwer, wie er es erwartet hatte, und so hatte er kaum M\u00fche, ihn aus dem Flur ins Schlafzimmer zu wuchten. Er schob die Unterlagen, die sich im Zimmer auf dem Boden verteilten, in eine Ecke, und lehnte den Spiegel an die Wand. Dann schob er das Bett \u00fcber das protestierende Laminat hinweg in die Mitte des Raumes, so dass es genau drei Schritte davor stand. Er zog sich um und stellte fest,\u00a0 dass ihn die Anstrengung doch m\u00fcde gemacht hatte; es w\u00fcrde nicht schwer werden, einzuschlafen.<\/p>\n<p>Die WILD-Methode, so hatte er gelesen, war im Prinzip sehr simpel. Im wesentlichen ging es darum, das Bewusstsein solange wach zu halten, bis der K\u00f6rper und andere Teile des Gehirns schliefen &#8211; dann wechselte man in den Traum, ohne dabei selbst zu schlafen. Er versuchte es; einige Male bemerkte er gerade noch rechtzeitig, wie seine Aufmerksamkeit floh und seine Gedanken verschwanden. Am Anfang versuchte er noch, sich auf einen bestimmten Gedanken, eine bestimmte Sache so sehr zu konzentrieren, dass er nicht wegd\u00e4mmerte, aber nach einigen Versuchen begriff er, dass es viel einfacher war, die eigene Aufmerksamkeit immer wieder auf neue Dinge zu richten. Eine Zeit lang versuchte er, jeden Gedanken im Geiste auszuformulieren, und jedes Mal dann, wenn er eine bestimmtes Wort dachte, einen neuen Gedanken zu fassen: er wusste nicht, wie lange er das tat, und als er bemerkte, dass auch dieses Spiel erm\u00fcdend wurde, fuhr er damit fort und wechselte das Wort selbst, auf welches hin er den Gegenstand seiner Aufmerksamkeit \u00e4ndern wollte, wiederum auf ein anderes Wort hin, und so weiter und so fort, bis er eine fast unaussprechliche Verschachtelung dieses Spiels dachte oder spielte. Er war es fast leid, als er pl\u00f6tzlich feststellte, dass die Welt hinter seinen Lidern nicht mehr dunkel war.<\/p>\n<p>&#8222;Das Wasser ist nicht tief. Du kannst darin schwimmen, es wird dich tragen.&#8220;, sagte ein alter Mann, der wie ein verlorener Kieselstein auf dem Strand sa\u00df und dabei an ihm vorbei blickte. Er erkannte den Mann als jemanden, den er als Kind einmal hatte Angeln sehen, und zu seiner \u00dcberraschung erkannte er auch den Strand; es war der Strand, an dem er zwei oder drei Urlaube verbracht hatte. Bei genauerer Betrachtung wurde ihm klar, dass es nicht <em>exakt <\/em>dieser Strand war. Es war eine gewisserma\u00dfen getr\u00e4umte, irgendwie verdunkelte Variante des Strandes in seiner Erinnerung; es gab Sand, es gab das Meer. Es gab die Br\u00fccke, einige Hundert Meter entfernt, und sogar einige Strandk\u00f6rbe waren dort: aber irgendwie schien alles abgedunkelt, als w\u00e4re es Nacht, obwohl doch heller Tag war. Selbst die Wellen schienen zu schlafen, denn sie machten kein Ger\u00e4usch, wenn sie auf den Strand prallten. &#8222;Das Wasser ist nicht tief&#8220;, sagte der Mann noch einmal, als h\u00e4tte man ihn nicht richtig verstanden. Etwas trieb ihn ins Wasser; er wollte, musste schwimmen. Kontrolle, dachte er, die Kontrolle war nicht vollst\u00e4ndig. Er konnte bewusst zusehen, aber es war schwer, die Handlung zu beeinflussen. Drei Schritte, es waren nur drei Schritte: Der Spiegel. Er sah auf seine F\u00fc\u00dfe und versuchte, sich auf die Bewegung zu konzentrieren. Einen Schritt machte er nach vorne: es funktionierte. Ein zweiter. Pl\u00f6tzlich kam ihm ein Gedanke, von dem er nicht wusste, ob er ihn hatte, oder ob es jemand anders war, der ihm den Gedanken einfl\u00fcsterte: Hinter dem Spiegel. Du bist hinter dem Spiegel. Nicht vorw\u00e4rts: r\u00fcckw\u00e4rts! Es war \u00fcberraschend schwer, der Anweisung zu folgen, und doch setzte er langsam einen Fu\u00df vor oder besser: hinter den anderen. Ein Schritt, ein zweiter, ein dritter. Der alte Mann sa\u00df immer noch im Sand und schien ihn gleichg\u00fcltig zu beobachten. Der vierte Schritt: Nur noch einer, der schwierigste, der entscheidende. Er blickte auf seine F\u00fc\u00dfe und sah, wie sein Bein sich hob, ein Ruck, dann h\u00f6rte er ein Ger\u00e4usch in der Stille des Strandes, als ob man mit den Fingern gegen eine Glasscheibe &#8211; eine Spiegelscheibe &#8211; schnippen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Er hob den Kopf: Der alte Mann war noch da, der Sand war noch da, die Br\u00fccke, das Meer, die Strandk\u00f6rbe. Doch etwas war anders: der Strand war nicht l\u00e4nger leer. In den K\u00f6rben sa\u00dfen dunkle Gestalten, die ihn beobachteten: einige von ihnen standen auch auf der Br\u00fccke, manche schienen Ferngl\u00e4ser zu halten. Auch im Sand, den ganzen Strand entlang sa\u00dfen, standen oder lagen die M\u00e4nner in ihrer schwarzen Kleidung. Selbst auf der nahen Sandbank, an die er zuvor \u00fcberhaupt nicht gedacht hatte, sah er einige von ihnen. Zwei standen direkt neben dem alten Angler und schienen fl\u00fcsternd etwas zu erz\u00e4hlen; vier oder f\u00fcnf standen ihm selbst so nahe, dass er ihre Gesichter erkennen konnte, ununterscheidbare, pergamentartige Z\u00fcge, mit tiefen Rillen und Furchen. Sie waren viel gr\u00f6\u00dfer als er selbst, vielleicht 1,90, vielleicht sogar etwas gr\u00f6\u00dfer. Ihr Alter konnte er nicht sch\u00e4tzen; sie sahen sowohl jung als auch alt aus, und wenn ihr Gesicht etwas ausdr\u00fcckte, dann war es eine schwere, lang anhaltende Anstrengung. Der, der ihm am n\u00e4chsten stand, wand seinen Kopf pl\u00f6tzlich: &#8222;Der Tr\u00e4umer sieht uns.&#8220;, sagte er \u00fcberrascht, und so etwas wie Erschrecken schien sich darin wiederzufinden.<\/p>\n<p>Tritt zur\u00fcck, dachte er, du stehst im Spiegel, tritt einfach zur\u00fcck und erwache. Er machte einen Schritt und fand sich in seinem Bett wieder, doch es war nicht still und friedlich, wie er es erwartet hatte; Dutzende Leute schienen durcheinander zu sprechen. Er sprang auf und fand sich in einem Gemenge, einem wirren Haufen von schwarzen \u00c4rmeln, schwarzen Hosenbeinen und d\u00fcsteren Gesichtern wieder, &#8222;Er geh\u00f6rt zu den anderen!&#8220; riefen sie, &#8222;Macht euch bereit!&#8220;, &#8222;Ladet die Waffen!&#8220;, er w\u00fchlte sich durch den Haufen, und der machte Platz, schien von ihm weichen zu wollen wie er von ihm, er versuchte die Schritte zur T\u00fcr zu finden, doch es waren zu viele im Raum, die sich dazu noch umeinander und aneinander vorbei schoben, &#8222;Auf mein Kommando!&#8220;, br\u00fcllten zwei, &#8222;Bajonette aufpflanzen!&#8220; andere, &#8222;Bewahrt die Ruhe, bewahrt die Ruhe!&#8220;, die Spannung schien zu einem h\u00f6rbaren, greifbaren Surren zu werden, w\u00e4hrend er sich wie die Anderen auch verloren durch das Gemenge k\u00e4mpfte, mal hier anstie\u00df, mal dort, und schlie\u00dflich h\u00f6rte er,<\/p>\n<p>Left to no one<br \/>\nNo Space<br \/>\nNo time,<\/p>\n<p>Und erkannte seine eigene Stimme, die m\u00fchsam die T\u00f6ne haltend sang, w\u00e4hrend die Anderen im Chor antworteten,<\/p>\n<p>I&#8217;m not to find you,<br \/>\nBut if there was just a second,<br \/>\nI would try,<br \/>\nI would try.<\/p>\n<p>Die M\u00e4nner und er wiederholten den Gesang, immer wieder, und dabei standen sie alle still, konzentrierten sich auf jeden Ton: ihre Stimmen erg\u00e4nzten seine, und er gab ihnen die Worte, wo sie ihnen fehlten. Das Surren war verschwunden, und in den Augen der Anderen sah er so etwas wie eine friedliche \u00dcbereinstimmung. Als sie das Lied einige Male gesungen hatten, begannen sie sich zu der Musik zu bewegen, betont langsam, wohl auch um ihn nicht zu erschrecken, nur um die Anspannung zu l\u00f6sen, und schlie\u00dflich wiegten sich alle leise im Takt der Musik. Schlie\u00dflich h\u00f6rte einer von ihnen auf zu singen, trat langsam und vorsichtig an ihn heran, ergriff ihn an der Schulter und sagte: &#8222;Du bist keiner von uns. Geh lieber in den Flur, dort ist es sicherer.&#8220; Sie lie\u00dfen ihn zur T\u00fcr durch, er ging hinaus, zog den Hocker heran und setzte sich. Die M\u00e4nner h\u00f6rten nicht auf zu singen und zu tanzen, im Gegenteil, jetzt, wo der Fremdk\u00f6rper zwischen ihnen entfernt war, schienen sie mutiger zu werden, und sie bewegten sich schnell und geschickt, nie stie\u00dfen sie aneinander. Er sah ihnen zu bei ihrem Tanz; dann griff er zu dem Aschenbecher und nahm die Zigarette, die er dort abgelegt hatte. Als er wieder hinblickte, erkannte er pl\u00f6tzlich einige der M\u00e4nner: sie kamen wohl nach der Sp\u00e4tschicht direkt hierher, um noch einige Stunden zu tanzen. Er blickte auf die glimmende Glut; Wann hatte er sich diese Zigarette angez\u00fcndet? Pl\u00f6tzlich stand jemand vor der Bar und verlangte lautstark ein Wei\u00dfbier.<br \/>\nEs dauerte eine Weile, bis er reagierte, dann jedoch tat er, was von ihm verlangt wurde. Es war zwanzig nach f\u00fcnf; immer noch tanzten drei\u00dfig oder vierzig Menschen nur einige Meter entfernt. Er suchte nach dem B\u00fcchlein, fand es aber nirgendwo; schlie\u00dflich blickte er in die Ecke, in der er es gefunden hatte. Einen Moment lang glaubte er, es in der Spiegelwand zu sehen. Doch vor dem Spiegel lag kein Buch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war bereits zehn nach f\u00fcnf, als er zum ersten Mal an diesem Abend &#8211; oder besser Morgen &#8211; die Zeit fand, eine kleine Pause zu machen. Das war nichts Ungew\u00f6hnliches an einem Freitag; der Laden war meist v\u00f6llig \u00fcberf\u00fcllt, und da er der einzige war, der an der hinteren Theke bediente, hatte er meist [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,16,20],"tags":[131,133,57,132,130],"class_list":["post-340","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-2","category-2-2-2-2-2-2-2-2-2-2-2-2-2-2-2","category-2-2-2-2-2-2-2-2-2-2-2-2-2-2-2-2-2-2-2","tag-albtraum","tag-ahnlichkeit","tag-isolation","tag-luzider-traum","tag-traum"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/badindicator.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/340","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/badindicator.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/badindicator.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/badindicator.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/badindicator.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=340"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/badindicator.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/340\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/badindicator.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=340"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/badindicator.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=340"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/badindicator.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=340"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}