{"id":58,"date":"2006-05-05T22:04:00","date_gmt":"2006-05-05T21:04:00","guid":{"rendered":"http:\/\/badindicator.de\/blog\/?p=58"},"modified":"2007-08-11T06:41:48","modified_gmt":"2007-08-11T04:41:48","slug":"single-shot-albtraum","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/badindicator.de\/blog\/2006\/05\/05\/single-shot-albtraum\/","title":{"rendered":"Albtraum"},"content":{"rendered":"<p>Von einer besseren Welt. Ein blauer Himmel, viel gr\u00f6\u00dfer als die verschlafene Ebene unter ihm, ein riesiges schimmerndes Dach f\u00fcr die Erde, blauer als blau, ein Zelt von der Farbe eines lang erstrittenen Friedens, klar und nur wenig ermattet. Das rot-blond eines fortdauernden Sonnenaufgangs an jedem Horizont und in jeder Himmelsrichtung zugleich, die feinf\u00fchlige W\u00e4rme des anbrechenden Tages in sich tragend wie eine frohe Botschaft.<br \/>\nIn der Ebene aus hohen, friedvollen Gr\u00e4sern und anschmiegsamen B\u00e4umen eine seltsame Kreatur, ein wenig melancholisch und doch freundlich im Lichte des hoffnungsfrohen Morgens, dennoch etwas entr\u00fcckt und au\u00dfenstehend, als w\u00e4re die K\u00e4lte der Nacht noch nicht ganz aus seinen Gliedern gewichen oder gar in ihnen beheimatet.<br \/>\nAuch andere Wesen, in merkw\u00fcrdigen Farben, die nicht so recht in diese Ebene passen wollen, sie wirken hier fremd, als w\u00e4ren sie aus einem fernen Reich hier her gekommen, um die Kreatur in ihrer Mitte zu treffen, und ein seltsam eing\u00e4ngiger Gesang schallt \u00fcber die Ebene und scheint sie alle zu einen, die vielen bunten Facetten der Besucher mit der Kreatur widerspruchsfrei zu vers\u00f6hnen, ihr Lied gleicht einer Meditation oder einem Gebet, in dem die Konturen und Farben aller ein wenig unscharf zu werden scheinen, aufzugehen scheinen in dem leisen Tanz, der bald die ganze Ebene erfasst, ein rhythmisches Str\u00f6men und Flie\u00dfen, ein best\u00e4ndiges Von-Einander-Entfernen und Einander-N\u00e4hern unter diesem Himmel des allgegenw\u00e4rtigen Sonnenaufgangs.<br \/>\nNur die Kreatur scheint nie ganz diese K\u00fchle der Nacht zu \u00fcberwinden, seiner Stimme bleibt etwas ungelenk-verfrorenes und eine tiefe Sehnsucht, und w\u00e4hrend eine helle Sonne langsam den Himmel hinaufkriecht und das bunte Treiben kein Ende zu suchen scheint, da wird seine Stimme lauter, die der Besucher scheint zu schwinden, und die Melancholie schwillt an zu einer zersetzenden Dissonanz, bald fein und kaum h\u00f6rbar, bald kreischend und unertr\u00e4glich, ein eifers\u00fcchtiger Mi\u00dfklang, der jede andere Stimme aufzul\u00f6schen sucht, um neben diesem schrillen Ton nur noch Schweigen zu lassen.<br \/>\nDie anderen Wesen f\u00fcgen sich, dies ist nicht ihre Welt, sie k\u00f6nnen nicht anders, und so verl\u00f6schen ihre Stimmen, eine nach der anderen, und ihre K\u00f6rper werden d\u00fcnner, ihre Pr\u00e4senz schw\u00e4cher, bald verschwinden sie ganz, und die Ebene wirkt nun seltsam biedern und einsam.<br \/>\nUnd so mischt sich ein Schmerz in den korrumpierten Gesang der Kreatur, ein tosender, rachs\u00fcchtiger Schmerz der Einsamkeit, die Dissonanz schwillt an zu einem Heulen, das Heulen erstickt zu einem donnerndem Grollen, dass bald die ganze Ebene erfasst und sogar den Himmel zu st\u00fcrzen droht, der jetzt seltsam grau herabstiert wie ein mi\u00dfg\u00fcnstiger Beobachter, und schlie\u00dflich scheint es der Himmel selbst zu sein, der diesen unertr\u00e4glich tragischen Ton ausst\u00f6\u00dft, w\u00e4hrend die Kreatur dort unten Asche und Feuer und Staub speit, der sich \u00fcber die Sonne und den Himmel legt wie ein Leichentuch, ein dichter, stickiger Nebel, der aus dem Sonnenlicht Zwielicht und aus dem Blau des Himmels ein giftiges grau-braun macht. Schwarzes Wasser dringt aus der Kreatur hervor, in gro\u00dfen Fl\u00fcssen str\u00f6mt es in die Ebene und bedeckt sie, ertr\u00e4nkt sie ganz und gar, und vor dem Ende schwillt der fiebrige Klang in der Luft noch einmal an, wird zu einem wilden Sturm, der jede Hoffnung aus der Welt zu peitschen sucht und erst endet, wenn auch die Kreatur in diesem schwarzen Ozean gefangen und ertr\u00e4nkt ist.<br \/>\nEine seltsame Ruhe legt sich auf die Ebene, die d\u00fcstere Ewigkeit eines leeren Feldes nach der Schlacht.<br \/>\nUnd tief unter dem wellenlosen Schwarz des Ozeans sinkt die Kreatur in einen schweren, lang w\u00e4hrenden Schlaf. Das Wasser tr\u00e4gt die Erinnerung an diese tote Ebene schnell davon, bald bleibt der Kreatur davon nur noch ein dumpfes Gef\u00fchl, und so beginnt es zu tr\u00e4umen, zu tr\u00e4umen<br \/>\nVon einer besseren Welt. Ein blauer Himmel, viel gr\u00f6\u00dfer als die verschlafene Ebene unter ihm, ein riesiges schimmerndes Dach f\u00fcr die Erde, blauer als blau, ein Zelt von der Farbe eines lang erstrittenen Friedens, klar und nur wenig ermattet. Das rot-blond eines fortdauernden Sonnenaufgangs an jedem Horizont und in jeder Himmelsrichtung zugleich, die feinf\u00fchlige W\u00e4rme des anbrechenden Tages in sich tragend wie eine frohe Botschaft.<br \/>\nIn der Ebene aus hohen, friedvollen Gr\u00e4sern und anschmiegsamen B\u00e4umen eine seltsame Kreatur, ein wenig melancholisch und doch freundlich im Lichte des hoffnungsfrohen Morgens, dennoch etwas entr\u00fcckt und au\u00dfenstehend, als w\u00e4re die K\u00e4lte der Nacht noch nicht ganz aus seinen Gliedern gewichen oder gar in ihnen beheimatet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von einer besseren Welt. 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