{"id":72,"date":"2007-01-07T03:16:41","date_gmt":"2007-01-07T02:16:41","guid":{"rendered":"http:\/\/badindicator.de\/blog\/?p=72"},"modified":"2008-01-05T00:52:10","modified_gmt":"2008-01-04T23:52:10","slug":"single-shot-discontra-ii","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/badindicator.de\/blog\/2007\/01\/07\/single-shot-discontra-ii\/","title":{"rendered":"Discontra (II)"},"content":{"rendered":"<p>Wie wichtig das doch alles schien, wie \u00fcberaus wichtig und unverzichtbar, alle die Namen, die vielen Namen und die gesch\u00fctzten Logos und Farbmuster, nein, niemand w\u00fcrde sie als austauschbar bezeichnen, es waren nicht nur Namen und Ikonografien, sie hatten etwas Magisches, Religi\u00f6ses, etwas Geheiligtes. Sie schienen realeren Charakter zu besitzen als andere Dinge, sogar als Menschen, obwohl nichts Reales an ihnen war &#8211; aber was war schon real, war das nicht ohnehin ein leeres Wort, eine Farce, eine verdr\u00e4ngte Erinnerung an ein Au\u00dfen, auf das hier nichts mehr verwies?<br \/>\nDieser Ort war nicht mehr zwingend an Worte gebunden, im Gegenteil, er lehnte das Wort und die inhaltliche Kommunikation ab, sein Code war der des Tanzes und der Marken, der Br\u00fcste und Cocktails, und auch das schuf diese greifbare Indifferenz. Hier brauchte es kein Es mehr, kein Ich, schon der L\u00e4rm sublimierte jede individuelle Stimme und lie\u00df nur kollektive Symbolik \u00fcber, sexuelle, \u00f6konomische, technologische. Alle vereint in einem seltsam anmutenden Konsens, denn was au\u00dferhalb als Widerspruch erschien, zeigte hier oft sein wahres Gesicht, ein Janusgesicht. Das Artifizielle, Menschengemachte und das Menschliche etwa, beides zerflo\u00df hier, technische Prothesen st\u00fctzten biologische-sexuelle Parameter, biologische Parameter verst\u00e4rkten technische Prothesen, beides mischte sich mehr und mehr und schlie\u00dflich war kaum noch zu entscheiden, was zuerst da gewesen sein k\u00f6nnte, <font style=\"font-style: italic\">ist es die Kleidung oder die Frau darin?<br \/>\n<\/font>Menschen schienen hier mehr wie Schattenrisse, oder besser noch, Oberfl\u00e4chen, reine Reliefs, ohne Inhalt, ohne Inneres, die genau wie die Bilder fremder Monde nur Reliefs zeigten; nicht hohl, aber dennoch leer. Ihnen fehlte der Bezugspunkt, sie blieben referenz- und inhaltslos und offenbarten nur das Triviale, Obsz\u00f6ne.<br \/>\nManchmal fragte man sich vielleicht, ob das gewollt sei, ob es Teil des Spiels sein k\u00f6nnte; die Frage bleibt nicht l\u00f6sbar, denn der Diskurs oder das Nach-Forschende ist hier ebenso fern wie das Tageslicht. Es gibt hier keine Antworten, weil es auch keine Fragen mehr gibt. Warum auch, warum sollte man diese Fragen noch stellen? Alles ist schon hier, au\u00dferhalb gibt es nichts mehr. Es bleibt nur das ewige Spiel der Oberfl\u00e4chen, der Tanz von Codes und Fragmenten, von Symbolen, deren Bedeutung lang, lang schon verloren war &#8211; oder hier niemals existent gewesen war.<\/p>\n<p>Leicht kommt man auf den Gedanken, dieses Spiel k\u00f6nne wom\u00f6glich auch reichen; vielleicht ist es die menschliche Natur selbst, die es formt, vielleicht ist es ja umgekehrt: Vielleicht ist es diese Welt, die real ist, vielleicht ist es die Welt dort drau\u00dfen, die auf L\u00fcgen fu\u00dft, auf falschen Versprechen und Tiefgr\u00fcndigkeiten, die nur falsche Reflexe sind, die nichts verbergen als Oberfl\u00e4chen. Vielleicht sagt dieser Ort wirklich alles, alles was man wissen muss, wissen muss \u00fcber uns Menschen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie wichtig das doch alles schien, wie \u00fcberaus wichtig und unverzichtbar, alle die Namen, die vielen Namen und die gesch\u00fctzten Logos und Farbmuster, nein, niemand w\u00fcrde sie als austauschbar bezeichnen, es waren nicht nur Namen und Ikonografien, sie hatten etwas Magisches, Religi\u00f6ses, etwas Geheiligtes. 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