{"id":81,"date":"2007-03-14T05:31:36","date_gmt":"2007-03-14T04:31:36","guid":{"rendered":"http:\/\/badindicator.de\/blog\/?p=81"},"modified":"2007-09-14T16:01:50","modified_gmt":"2007-09-14T14:01:50","slug":"single-shot-die-andere-weltdepression","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/badindicator.de\/blog\/2007\/03\/14\/single-shot-die-andere-weltdepression\/","title":{"rendered":"Die andere Welt\/Depression"},"content":{"rendered":"<p>Manchmal, da kann man sie fast sehen, fast ber\u00fchren, diese andere Welt, doch meist bleibt sie schemenhaft. Aus den Augenwinkeln nur nehmen wir sie dann wahr. Und doch bleibt Sie ein Sinnes-Spiltter, die fl\u00fcchtige Wahrnehmung eines \u00fcberreizten Nervensystems, sagen wir uns gerne, obwohl wir es besser wissen, besser wissen m\u00fcssten.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich haben wir sie schon lange beobachtet, immer schon, manchmal verstohlen zu ihr hin\u00fcber gesehen, und vermutlich hat sie das selbe getan.<\/p>\n<p>Dort war Musik nur das dumpfe Rauschen von anonymen Maschinen, immer gerade so diffus, dass es &#8211; nur fast &#8211; eine Bedeutung verbergen konnte; jahrelang konnte man diesem Rauschen zuh\u00f6ren, seine Botschaften blieben immer T\u00e4uschung, die Zuf\u00e4lligkeit von Statik, die doch immer entschl\u00fcsselt werden wollte und dennoch nur rastloses Plappern blieb. Der Raum hatte etwas Endg\u00fcltiges, Hoffnungsloses dort, nirgendwo die Unendlichkeit eines Ozeans oder Sternenhimmels, nur noch die st\u00e4hlerne Sarkophaghaftigkeit der B\u00fchne eines absurden Theaterst\u00fccks. Licht war ein grelles Lachen, das keinen Schatten mehr lie\u00df, ohne irgendeine Farbe zum Erstrahlen zu bringen, ein gebliches L\u00e4cheln voller unsteter Risse zwischen den faulen Z\u00e4hnen. Menschen waren dort nur verzerrte Fratzen und Hass, und nichts entstellte dort dr\u00fcben mehr als ein Lachen, sei es noch so rein und glockenhell. In dieser Gegenwelt gab es keine Menschen mehr, die zu R\u00e4ubern, M\u00f6rdern und Schlimmerem geworden waren; nur noch M\u00f6rder, die manchmal zu Menschen wurden. Was hier gut war, das schien dort mehr ein Scherz, eine zynische Wendung. Ideen und Gef\u00fchle alterten dort schneller als alles andere, sie bekamen Risse und erschienen oft nur noch wie alte, kitschige Filme auf verdorbenem Zelluloid, die niemand mehr ernstnehmen konnte. Jede sch\u00f6ne Illusion unserer Welt wurde dort zur Desillusion, zum in sich verdrillten Konter eines b\u00f6sartigen Schl\u00e4gers, der uns in den Untiefen unserer Psyche auflauerte, und keine Worte begleiteten noch seine Schl\u00e4ge, nur das dumpfe Hallen seltsam euphorischer Ausweglosigkeit.<\/p>\n<p>Nehmen wir sie wahr, so nimmt sie auch uns wahr, ihre Passivit\u00e4t ist ein falsches Spiel, genau wie unser Erschrecken ein Spiel ist. Wir geh\u00f6ren zu ihr, wie sie zu uns geh\u00f6rt.<br \/>\nSie ist da, diese Gegenwelt, vielleicht versteckt in den Falten der Zeit, vielleicht auch nur in uns, aber sie existiert, sie ist da &#8211; und wartet.<br \/>\nSie ist \u00fcberall und zugleich im Nirgendwo verschwunden. Sie ist nur ein zusammengepresster kleiner Punkt in unseren Hirnen und gleichzeitig in allem, was uns umgibt. Und unser ganzes Leben lang suchen und ersehnen wir das Wort &#8211; die Gleichung &#8211; die Formel, die all das Chaos in uns endlich entfesseln kann. Damit wir wissen, dass wir uns nicht t\u00e4uschen, keiner Halluzination unterliegen, nur um -ganz- in dieser anderen Welt zu erwachen und sie wenigstens einmal wach und konzentriert durchdringen zu k\u00f6nnen, nur damit wir einmal diesen Teil von uns wirklich begreifen k\u00f6nnen. Im Anfang war das Wort &#8211; hei\u00dft es. Und so sollte es auch am Ende stehen, nicht wahr?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Manchmal, da kann man sie fast sehen, fast ber\u00fchren, diese andere Welt, doch meist bleibt sie schemenhaft. Aus den Augenwinkeln nur nehmen wir sie dann wahr. Und doch bleibt Sie ein Sinnes-Spiltter, die fl\u00fcchtige Wahrnehmung eines \u00fcberreizten Nervensystems, sagen wir uns gerne, obwohl wir es besser wissen, besser wissen m\u00fcssten. 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