Lauf Diesen Artikel drucken

Die Tür schnappt auf, du hörst sie leise ächzen, siehst sie aber nicht, siehst du nur deine Hände nach ihr greifen, und dann läufst du auch schon, dein Kopf befiehlt deinen Beinen nicht mehr, muss es auch nicht mehr. Die Autotür hörst du noch fern hinter dir zuschlagen, drehst dich aber nicht mehr um, starrst auf deine nackten Füße, siehst, wie sie sich rhythmisch entfernen und wieder näherkommen, immer wieder, schon bist du über den Asphalt hinaus. Der strohige Untergrund fühlt sich angenehmer an als der rissige Asphalt, denkst du einen Moment, deine Füße schießen weiter ihrem Ziel entgegen, du siehst ihnen zu. Wie Automaten weichen sie Steinen und unsicher wirkenden Stellen aus, ohne an Geschwindigkeit zu verlieren. Deine Füße stolpern mal nach rechts, mal nach links und aus dem Lauf wird ein unförmiger Tanz, der an deinem Rückgrat zerrt, doch das stört dich nicht, du siehst weiter auf deine Zehen.

Und für einen Moment werden sie ganz klein, deine Füße, wie die eines Kindes, und du schmeckst etwas Vertrautes in der Luft, das Salz hing schon zuvor dicht über dir, aber erst jetzt kannst du es wirklich riechen, wirklich schmecken, still lächelst du. Dann verfehlt dein linker Fuß einen Schritt, landet in einer versteckten Distel, und mit einem unterdrückten Schrei wirst du nach rechts geworfen, ein Arm schießt hervor, hält das Gleichgewicht. Deine Füße beschließen, das Tempo wieder aufzunehmen, etwas Nasses klebt am linken, aber das ist dir egal, du bist fast da, spürst schon den warmen Sand unter den Füßen. Deine Beine beschleunigen auf dem planen Untergrund noch einmal, ignorieren die kleinen Kiesel jetzt, die deine Fußsohlen unangenehm streifen, ignorieren auch das Brennen deiner Lungen.

Dann, du hast es schon erwartet, berühren deine Zehen plötzlich nur noch Luft, du spürst den auffrischenden Wind hinter dem Abhang, und für einen absurd langen Augenblick glaubst du, fliegen zu können, einen Moment lang schwebst du irgendwie zwischen Himmel und Wasser, doch dann prallst du auf, deine Beine geben elastisch nach, lassen dich auf die Seite rollen, hart schlägst du auf die Schulter. Deine Arme ziehen dich wieder auf die Füße, du stolperst noch fünf Schritte weiter, fällst wieder hin, siehst aufs Meer hinaus. Und kommst an.

3 Antworten zu “Lauf”

  1. DS sagt:

    Hört sich ein bisschen nach Nienhagen an… Nur dass du da nach dem Sprung woanders angekommen wärst , endgültig.. 😉

  2. bad_indicator sagt:

    Das stimmt vermutlich *g*

  3. Philip J. Fry sagt:

    Ui, schoen geschrieben – bin zum ersten Mal hier auf deinem Blog, wollte nur kurz Lob aussprechen 🙂

    Also… viel Spass weiterhin,
    Gruss,

    Fry

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